Dr. Karoline Zepter - "Unsere Kultur verzeiht keine Fehler. Dabei sind Fehler gerade das Spannende!"

Shownotes

Wie geht ein Arzt oder eine Ärztin mit Fehlern um? Darf ein Fehler überhaupt passieren? Frau Dr. Karoline Zepter erzählt eindrücklich aus ihrem Alltag als Dermatologin. Sie zeigt eine einfühlsame Sicht auf Fehler und ihren Umgang damit. Weshalb sie meint, dass es notwendig ist, als Arzt einmal gescheitert zu sein, wie sie mit den Erwartungen der Patientinnen und Patienten umgeht und wie eine OP‑Vorbereitung bei ihr aussieht – all das hört ihr in der Episode!

Dr. med. Karoline Zepter ist Fachärztin für Dermatologie und Venerologie FMH mit über 20 Jahren Erfahrung in ästhetischer, regenerativer und ganzheitlicher Medizin. Sie leitet die dr zepter heal & bloom skin clinics in Zürich, Thalwil und Horgen, die sich auf natürliche, stammzellbasierte Anti-Aging- und Longevity-Behandlungen spezialisiert haben. Ihr Ansatz verbindet klassische Dermatologie mit ästhetischer Medizin, orthomolekularer Medizin und modernen regenerativen Verfahren. Sie gilt als Pionierin für Behandlungen, die nicht „verändern“, sondern Regeneration, Natürlichkeit und Zellgesundheit in den Mittelpunkt stellen. Mit ihrer langjährigen Expertise, ihrem interdisziplinären Team und ihrem Fokus auf nachhaltige Hautgesundheit gehört sie zu den prägenden Stimmen im Bereich moderner, ganzheitlicher Dermatologie in der Schweiz.

https://drzepter.ch/ 

Transkript anzeigen

00:00:15: Willkommen zu einer neuen Folge von Podcast Philosophie.

00:00:19: Ich freue mich ganz besonders, weil ich lange darauf eine Ärztin belangte, als Garten bei mir zu haben.

00:00:27: Und ich freue mich, dass Herr Caroline Zepter bei mir ist und wir hier zusammen über Fehler und wie das ist als Arzt, die es um Leben und Tod geht.

00:00:37: Willkommen.

00:00:39: Danke schön und danke für die Einladung.

00:00:41: Ich freue mich auch.

00:00:43: Sehr gut.

00:00:44: Wir starten mit der üblichen Frage, die ich auch im Podcast mache.

00:00:48: Wer sind Sie?

00:00:49: Wie würden Sie sich beschreiben?

00:00:51: Neugierig.

00:00:52: Ich glaube, ich bin möglich, dass man mich von mir aus gesehen hervorstechenste, eingeschafft.

00:01:00: Ich bin unglaublich neugierig.

00:01:02: Ich liebe neue Sachen.

00:01:03: Ich will auch immer neues erfahren, vor allem.

00:01:07: Ich bin sehr wissbegierig.

00:01:08: Ich denke, das macht mich aus.

00:01:13: Im Kontext von der Ärztin, wie würde sich das beschreiben?

00:01:17: Auch da große Neugier an neuen Entdeckungen oder auch, wie Dinge funktionieren, wie der Körper funktioniert, wie überhaupt Biologie funktioniert, was wir mit unseren heutigen Mitteln, Wisten, Techniken noch machen können, erreichen können, wie wir uns entdecken, auch als Menschen, wie wir funktionieren.

00:01:41: Ja, das finde ich spannend.

00:01:42: Sehr spannend.

00:01:44: Sehr schön.

00:01:45: Was mich ganz besonders wundernimmt, eigentlich immer, wenn ich Ärzte oder Ärztinnen treffe, haben Sie schon immer wählen, Ärzte in der Welt?

00:01:54: Äh, gar nicht.

00:01:57: Es ist eigentlich ein bisschen zuvor gewesen, was im naturwissenschaftlichen Bereich sichert.

00:02:04: Das hat mich immer interessiert.

00:02:05: Aber eigentlich eher Biologie.

00:02:07: Ich habe mich ursprünglich für Chemie eingeschrieben.

00:02:11: Und das mit den Studienplätzen damals war auch schon sehr, sehr kompetitiv.

00:02:17: Und ich habe dann einen Studienplatz gekriegt in Medizin, habe ich gedacht, oh, ist auch spannend, machen wir doch mal.

00:02:22: Und vom Studium her erfüllt das natürlich jemand, der neugierig ist extrem, weil es so vielfältig ist, wenn man den ganzen Körper erfährt, aber eben halt auch biologische Grundprinzipien und Chemie und Physik und alles, was halt reinspielt.

00:02:40: Von daher war es eigentlich perfekt.

00:02:43: Ich habe aber nie daran gedacht, dass ich mal als Ärztin arbeiten werde.

00:02:47: Bin dann auch nach dem Studium direkt in die Forschung gegangen, damals nach Amerika.

00:02:53: Und war eigentlich überzeuglich, würde immer in der Forschung bleiben.

00:02:56: Bin dann auch, als ich in die Schweiz zurückgekommen bin, erst mal in der Forschung gewesen.

00:03:01: Und ehrlich gesagt, aus Zufall.

00:03:05: Ich habe jemanden vertreten und dann habe ich gedacht, Das war auch

00:03:08: spannend mal

00:03:09: mit Menschen, nicht nur Mäuse oder Zellen.

00:03:15: Ich bin wirklich ein Quereinsteiger.

00:03:18: Und dann hat es Ihnen gefallen?

00:03:20: Dann hat es mir gefallen und dann habe ich die Facharztausbildung gemacht.

00:03:25: Und ich habe dann gemerkt, dass ich auch neugierig bin auf die Menschen, die ich treffe.

00:03:30: Und natürlich schön am Fach der Amatologie.

00:03:35: bei uns gibt es wenig um Leben und Tod.

00:03:37: Und vielleicht ist auch das ein schöner Teil von dem Fach, weil das Ausforschen von anderen Sachen, von Lebenssituationen und anderen Dingen möglich macht, ohne dass man unter dem Druck steht, woah, jetzt entweder ich mache jetzt genau das Richtige oder es gibt eine Katastrophe.

00:03:57: Wir haben ein bisschen mehr Zeit, aber es braucht halt dafür andere Dinge, die es in anderen Berufen oder in anderen bezweigenden Medizinien dann weniger gibt.

00:04:08: Jetzt weiß ich von Ihnen, dass Sie sehr gern in der Chirurgie tätig

00:04:13: sind, oder?

00:04:14: Das ist mein Nervenkitzel.

00:04:17: Ja, auch das, das Rausfordern und gucken.

00:04:27: Kann ich was reparieren?

00:04:29: Wenn es offensichtlich nicht gut ist, einen Tumor oder was stört und Patienten belastet, kann ich das hinkriegen, dass es nachher gut ist?

00:04:40: Ich glaube, das ist eine enorme Motivation.

00:04:43: Ja, sehr schön.

00:04:46: Was war Ihre prägendste Moment, wenn Sie so rückblickend auf Ihre Karriere schauen?

00:04:52: Gibt es

00:04:52: eine?

00:04:58: Nein, das kann ich nicht sagen.

00:04:59: Es sind viele, viele, viele Momente, wo man gemerkt hat, auch, wer man selber ist, wie man in einer Situation reagiert, was man machen möchte und was man sicher nicht machen möchte.

00:05:12: Das sind immer wieder kleine Schritte.

00:05:14: Eigentlich formt einen jeden Tag, den man mit Patienten auch verbringt.

00:05:20: Der formt einen, weil die geben einem ja genauso viel zurück, was man selber gibt.

00:05:24: Von daher, das ist so ein... auch erwachsen werden oder reifen werden, in dem was man tut und in dem, wen man trifft.

00:05:35: Sehr schön gesagt, habe ich noch nie so gesehen.

00:05:39: Ja.

00:05:40: Jetzt würde ich aber doch gerne, auch wenn Sie gesagt haben, es geht Ihnen nicht unbedingt gerade so um Leben und Tod.

00:05:46: Trotzdem ist

00:05:47: es etwas

00:05:48: einschneidend, wahrscheinlich für jeden Patient, wenn man bei Ihnen ist.

00:05:53: Wie gehen Sie damit um?

00:05:55: da schieter oder ein Fehler zu machen.

00:05:59: Gerade wenn man halt

00:06:00: operiert,

00:06:01: das ist ein Schritt.

00:06:04: Man verletzt jemand, man greift in die körperliche Unversehrtheit von jemanden ein und es kann auch mal schief gehen.

00:06:13: insofern, als es einen Effekt gibt oder irgendwas nicht gut heilt aus verschiedenen Gründen oder weil Vielleicht auch das Ergebnis nicht dem entspricht, was der Patient sich vorgestellt hat.

00:06:29: Oder weil nach der Narbe nicht schön wird.

00:06:32: Und ja, es belastet mich.

00:06:37: Und deswegen ist es auch sicher gut, habe ich nicht nur das.

00:06:40: Also ich denke, wenn ich ein Chirurg wäre, dann würde mich das dann schon sehr belasten.

00:06:48: Ich habe natürlich einen Anspruch, dass es ... dass es gut wird und ich will natürlich auch was Gutes hinterlassen.

00:06:54: Und ja, weil man halt die Verantwortung für die, für das Wohlergehen von den Patienten da so unmittelbar übernimmt, doch das ist was, was belastet, definitiv.

00:07:06: Und vor allem, wenn man merkt, okay, ich habe da was falsch gemacht oder einen Fehler gemacht oder ich hätte es anders angehen sollen, ich finde, das finde ich wirklich schlimm.

00:07:18: Und Da habe ich dann gemerkt, da muss man ganz transparent sein und es einfach auch sagen.

00:07:25: Schauen Sie, Entschuldigung, wir sehen jetzt beide, das ist irgendwie nicht gut oder das ist schief gelaufen.

00:07:33: Das wollte ich nicht und ich glaube, das sieht man mir dann in dem Moment auch anders, als ich das nicht wollte.

00:07:40: Und dann wirklich sagen, so, ich habe jetzt die und die Möglichkeiten, was ich machen kann und ich mache alles, dass es gut wird.

00:07:49: Und nicht hergehen und sagen, ja, das kann es geben.

00:07:53: Auch wenn es so ist, das kann es immer geben.

00:07:56: Manchmal ist man gar nicht schuld.

00:07:57: Manchmal ist es, weil die Heilung beim Patienten nicht ist oder weil er halt auch was gemacht hat, keine Ahnung.

00:08:04: Auf jeden Fall, der, der operiert, muss die Verantwortung übernehmen.

00:08:08: Und ich glaube, Transparenz sagen, hey, das ist jetzt nicht gut laufen aus irgendeinem Grund.

00:08:14: Wir stehen jetzt an der und der Situation.

00:08:16: Aber jetzt versuchen wir doch.

00:08:18: Gemeinsam aus der wieder rauszukommen.

00:08:21: Das hat mir immer viel gebracht.

00:08:23: Das braucht am Anfang wahnsinnig Mut.

00:08:27: Dass man sagt, ich habe einen Fehler gemacht.

00:08:30: Das ist eigentlich in unserer Kultur nicht so richtig gut etabliert.

00:08:34: Das lernt man nicht in der Schule.

00:08:37: Da darf man ja keine Fehler machen, wenn es geht.

00:08:40: Und da ist die Realität halt so, dass der Fehler sehr offensichtlich ist.

00:08:45: Irgendwas ist nicht gut.

00:08:47: Und dann geht es nicht um ein Stück Papier, sondern es geht wirklich um, wie gesagt, die körperliche Unversehrtheit von jemandem.

00:08:55: Und da zu sagen, da ist mit mir ein Fehler passiert oder da habe ich was nicht so gut gemacht, wie ich es hätte machen können, es tut mir leid.

00:09:04: Auch das ist ein Wort, das man sagen muss.

00:09:07: Ich will jetzt aber alles machen, dass es gut wird.

00:09:11: Das finde ich herausfordernd, aber auch was, wo man sehr stark sich auch weiterentwickeln kann, glaube ich.

00:09:19: Und

00:09:20: ich kann ja vielleicht sogar auch eine schöne Reaktion geben.

00:09:24: Klar ist es schwierig, oder je nachdem ganz schwierig, aber wenn es über so ein Offer-Johrette gibt, ist es etwas verbindend.

00:09:30: Ja,

00:09:31: also Gott sei Dank.

00:09:33: Ich bin auch in einem guten Fach.

00:09:35: Gott sei Dank.

00:09:38: Noch nie was wirklich Schlimmes passiert.

00:09:41: Aber dann halt doch Fälle, wo, wie gesagt, Heilung hatte ich verzögert oder ist nicht so gelaufen, wie man gedacht hat, dass man da gemeinsam durchgeht.

00:09:50: Und das sind dann oft Verbindungen, die besonders eng waren und auch langanhalten.

00:09:55: Und wo ich dann wahnsinnig froh bin, wenn die Leute nicht das Vertrauen zu mir verlieren, sondern einfach sagen, okay, das war jetzt nicht gut, aber sie gibt sich Mühe.

00:10:04: Also sie lässt mich nicht hängen jetzt in der Situation.

00:10:06: Ich glaube, das ist wichtig.

00:10:08: Ja,

00:10:09: kann ich mir das sehr gut vorstellen.

00:10:11: Was

00:10:11: lernt man da in der US-Bilding?

00:10:15: Ist das ein Thema?

00:10:16: Verändert machen?

00:10:18: Ganz im Gegenteil, schon vom Studium an ist es sehr kompetitiv.

00:10:23: Keiner würde irgendeine Schwäche zugeben.

00:10:26: Das verstärkt sich dann auch noch in der... Fachartsausbildung zum Beispiel.

00:10:31: Das ist ein hierarchisches System.

00:10:34: Ist auch wichtig, dass es hierarchisch ist, weil irgendjemand muss den Kopf hinhalten, wenn was schiefgeht.

00:10:39: Deswegen muss klar geregelt sein, wer für was zu verantwortlich ist.

00:10:42: Aber keiner will sich natürlich eine Blöße geben.

00:10:45: Und es ist natürlich auch wichtig, den Patienten gegenüber, dass man stark ist.

00:10:51: Weil

00:10:52: wenn ich krank bin oder wenn ich irgendwas habe, wo ich in einer schwachen Position bin, dann will ich ja jemanden haben, der Stärke und Sicherheit ausstrahlt und nicht Unsicherheit.

00:11:01: Und ich glaube, die Gradwanderung, dass man sagt, ich weiß schon genau, was ich tue, aber ich bin trotzdem noch ein Mensch.

00:11:09: Das ist manchmal nicht so ganz einfach und das braucht auch ein paar Jahre Erfahrung oder viele Jahre vielleicht auch Erfahrung.

00:11:16: Aber ich glaube, Das ist eine von den wichtigen Sachen.

00:11:20: Und die kriegt man ... Nein, die kriegt man nicht beigebracht.

00:11:22: Die muss man sich auf die harte Tour selber arbeiten.

00:11:26: Sie haben

00:11:28: vorgesagt, dass es ein tägliches Lernen ist oder sich entwickeln

00:11:32: kann.

00:11:33: Wie würden Sie das beschreiben, wenn Sie Ihre Anfänge denken, wie Sie hier mit einem Schitter oder einem Fehler umgehen?

00:11:41: Ich

00:11:41: habe gelernt, Fehler und Scheiden gerne zu haben.

00:11:48: weil ich immer gemerkt habe, wenn eine Situation ganz schlecht war.

00:11:53: Und ehrlich gesagt ist es zum Teil außerhalb vom Beruf fast eindrücklicher gewesen, dass plötzlich sehr viel Freiheit entsteht, weil man die Dinge, wo man denkt, das muss so sein.

00:12:07: Und wenn das dann plötzlich auseinander fällt oder auseinander bricht und man den Boden und den Füßen weggezogen kriegt, Dann kann einem das auch ziemlich viel Freiheit geben.

00:12:16: Man hat dann sehr viel Luft um sich rum.

00:12:19: Es fühlt sich überhaupt nicht gut an.

00:12:21: Wirklich nicht gut.

00:12:23: Aber ich muss sagen, die schlimmsten Situationen, die ich in der Beziehung erlebt habe, so wirklich drastische menschliche Enttäuschung von Kollegen auch, wo dann wirklich existenzielle Folgen gehabt hat, das war in Nachhinein... Das ist so befreiend, aus einem gedachtem Käfig rausgeschmissen zu werden und dann zu merken, ich brauche den Käfig eigentlich gar nicht.

00:12:53: Es fühlt sich schlimm an.

00:12:56: Man scheitert, man ist ein Versager.

00:12:59: Das sagt man sich, jetzt habe ich versagt.

00:13:03: Nicht so schön, fühlt sich ziemlich schlecht an.

00:13:07: Aber da durchzugehen und dann festzustellen.

00:13:10: Wow, das ist eigentlich das Beste, was mir passieren konnte.

00:13:15: Das ist schön.

00:13:16: Und deshalb der Vorteil, wenn man älter wird, man hat vielleicht diese Erfahrung schon mal gemacht oder zweimal oder dreimal.

00:13:23: Und weiß, das ist nicht nur schlecht.

00:13:26: Auch wenn sich es in dem Moment nicht gut anfühlt, es ist nicht nur schlecht, sondern da kann was ganz Neues, Positives Gutes draus entstehen, an das man gar nicht gedacht hat.

00:13:40: Das ist eine sehr schöne Vorstellung und ich teile sie absolut, absolut.

00:13:45: Gibt es für Sie in der Laufbahn eines Arztärztes ein notwendiges Scheitern?

00:13:50: Das

00:13:51: ist eine gute Frage und ich würde Sie mit Liebe beantworten.

00:13:55: Jemand, der immer glatt gelaufen ist, der eigentlich keine gröberen Fehlschläge hat einstecken müssen, ich nehme an, für den dürfte es viel schwieriger sein.

00:14:10: mit Patienten, weil es eher die Normalität mit empfinden zu können, wenn die in einer Situation sind, wo sie keine Ahnung ihren Job verlieren und aus dem Grund irgendwie krank werden oder in einer schwachen Position sind oder in der Beziehung irgendwo was scheitert.

00:14:28: Das Gefühl von ich habe versagt oder ich war schlecht, ich war nicht gut genug.

00:14:36: Das muss man glaube ich erlebt

00:14:38: haben, um

00:14:39: irgendwas vernünftiges und mitfühlen das und zwar nicht nur einfach gesagt, sondern einfach wirklich mit empfundenes sagen zu können.

00:14:49: Dass man so als Arzt die Empathie auch mitbringt.

00:14:52: Und ich mag das Wort Empathie nicht, weil das manchmal ist das Wort Hülse.

00:14:57: Empathie scheiß nicht.

00:14:58: Ich sag jetzt genau die richtigen Worte und mache das entsprechend in Gesichter zu, sondern ich fühle das in meinem Herz mit, was da jetzt vorgeht.

00:15:06: und wenn jemand vor mir sitzt und weint, Dann muss ich ... Und ich kann das nicht fühlen.

00:15:14: Das ist traurig.

00:15:15: Von daher glaube ich, dass es dann wichtig ist.

00:15:19: Sie haben gesagt, dass es teilweise schwierig ist, mit Fehler oder Mischietern umzugehen.

00:15:26: Was machen Sie trotzdem, um das mitzunehmen?

00:15:29: Wenn es nicht einfach schwierig bleibt, wenn Sie es verbessern und optimieren wollen.

00:15:38: Ich rede darüber.

00:15:39: Ich sage ganz vielen Patienten, was ich nicht kann zum Beispiel, was ich nicht gut bin.

00:15:45: Da gibt es Tronin, da fällt mir immer was ein, da kommen auch immer Sachen dazu.

00:15:51: Entweder habe ich genau die richtigen Patienten oder es ist Zufall, aber die verstehen das und die verlieren nicht.

00:16:00: in mich das Vertrauen, was meine fachlichen Fähigkeiten angeht, sondern die sehen, dass jemand ganz normal ist, der Sauchenkaot oder dem, der vergisst auch Tausend Sachen oder weiß nicht mehr, was er holen wollte und so das.

00:16:14: Ich möchte es eigentlich noch mehr kultivieren, weil ich da unsere Kultur, die ist schlecht, die verzeiht eigentlich keine Fehler, sondern nach außen hin.

00:16:23: und dabei sind die Fehler das Spannende.

00:16:27: Das was ein Computer halt nett kann.

00:16:30: Der rechnet immer das Gleiche aus, wenn wir in die gleichen Sachen gehen und bei uns kommen halt zufällig dann nochmal andere Ergebnisse raus.

00:16:36: Und das macht es spannend.

00:16:37: Das habe ich unvorhergesehen.

00:16:40: Und die besten Spreche, die ich gehabt habe, ist, wenn ich sage, oh nein, ich weiß, ich wollte Ihnen das und das lief, ich habe es total vergessen.

00:16:48: Ich habe es einfach vergessen.

00:16:49: Und dann kommt ganz oft, ah, das passiert mir auch.

00:16:51: Und eigentlich ist es gut, dass wir nicht perfekt sind, sondern einfach Fehler machen und Dinge vergessen, was falsch aufschreiben, nicht mehr an irgendwelche Termine denken.

00:17:03: Es ist nicht so schlimm.

00:17:05: Einfach sagen.

00:17:06: Ich glaube, das Wichtigste ist offen sagen, ah, ich habe einen Fehler gemacht.

00:17:12: Das ist jetzt nicht gut laufen, aufzusagen.

00:17:15: Sorry, das ist nicht gut laufen.

00:17:17: Da habe ich jetzt das und das gemacht.

00:17:18: Das ist nicht so schlimm.

00:17:20: Schlimm ist, wenn man versucht, sich schöner zu reden oder besser zu reden, als man ist.

00:17:24: Das merkt jeder Anschluss.

00:17:27: Und ich habe gemerkt, das fällt mir mit der Zeit leichter.

00:17:30: Einfach sagen, falsch gemacht, nicht gut gemacht.

00:17:33: Sorry, ich wollte es nicht.

00:17:34: Ich versuche es jetzt irgendwie wieder hinzukriegen.

00:17:37: Und ich glaube, das ist auch wichtig, dass man sagt,

00:17:40: ich

00:17:41: versuche jetzt alles, dass es wieder gut wird.

00:17:44: Das ist okay.

00:17:45: Ich kann es nicht garantieren.

00:17:47: Aber ich versuche es.

00:17:48: Das ist was Gutes, ja?

00:17:50: Ja.

00:17:51: Jetzt nehme ich aber an, es geht jetzt gerade so, es wäre ein totaler Alltag, was sie eigentlich ist, aber trotzdem sind sie Ärztin.

00:18:00: Ich kann mir sehr gut vorstellen, wenn sie eine Operation vor sich haben, dann wird das genauestens geplant.

00:18:07: Und da plant man ja keine Fehler ein.

00:18:11: Wie geht sie an, eine Operation an, die vielleicht schwierig ist?

00:18:16: Ich spiele sie.

00:18:18: Wenn es was größeres ist, ist sicher einige Male im Kopf durch.

00:18:24: Ich weiß irgendwie recht genau, wann kommt welcher Handgriff, was brauche ich alles.

00:18:30: Ich rieche zum Beispiel mein OP-Tisch immer selber her, weil ich dann ganz genau weiß, ja das brauche ich dann, das brauche ich dann und da ist auch sicher nichts vergessen.

00:18:42: Und ich freue mich drauf, ich freue mich auf das, was ich mache.

00:18:49: auch auf die Tätigkeit an sich, aber vor allem auch auf das Ergebnis.

00:18:54: Ich gucke eigentlich über die OP schon hinaus und ich sehe immer so das Ergebnis vor mir.

00:19:00: Ja, das fühlt sich gut an und nein, man plant keinen Fehler, das ist klar.

00:19:06: Ich glaube wichtig ist, dass man sich Zeit nimmt.

00:19:09: Also wenn ich zum Beispiel größere OP habe, dann ist klar, ich mache an dem Tag nur das.

00:19:13: Da gibt es dann weder davor noch danach.

00:19:16: Ich weiß, da wartet niemand auf mich.

00:19:18: Ich kann so viel Zeit brauchen, wie ich brauche.

00:19:22: Das ist schon mal was, wo man Fehler vermeiden kann, dass man sich nicht selber zeitlich unter Druck setzt.

00:19:26: Dass man nur das macht, was man kann.

00:19:29: Es ist auch gut, dass man nicht irgendwelche Wahnsinnsprojekte macht, wo man eigentlich weder die Erfahrung noch die Ausbildung hat.

00:19:37: Und dass man guckt, dass man eigentlich ausgeglichen an so Sachen rangeht.

00:19:43: Und alles andere... kann man nicht planen.

00:19:47: Ich bin ein Mensch, der Patient ist ein Mensch und zwei biologische Systeme da, da sind unscharfen eigentlich vorprogrammiert und ich versuche natürlich alles zu machen, was geht und damit es so läuft, wie es läuft, aber ich habe nicht alles in der Hand.

00:20:08: Gibt es so Rituale, wo sie vor Operationen machen?

00:20:11: Eben zum Beispiel meinen Tischselberichten.

00:20:14: Sicher vorher zum Sport gehen, lustigerweise.

00:20:18: Das tut sehr, sehr gut.

00:20:19: Ich bin schon mein Adrenalin los und eigentlich ausgeglichen und wie gesagt Zeit nehmen.

00:20:28: Also auch ich mache Betäubung und ich weiß danach, warte ich einfach mal.

00:20:33: Und das ist auch so ein Ritual, was bei mir zugehört reden.

00:20:38: Ja, das sind die wichtigsten Sachen.

00:20:43: Sie sagen, es sind zwei Menschen.

00:20:48: Man kann nicht alles planen, wenn dann gleich etwas passiert.

00:20:54: Wie handelt man so eine Situation, die einfach Zeitdruck hier ist?

00:20:59: In der Operation muss ich sagen ...

00:21:03: Ja.

00:21:04: Es ist auch schon passiert, dass ich mal eine AT getroffen habe und es blutet.

00:21:08: Aber das sind Dinge, die kann man sehr, sehr gut handeln.

00:21:10: Ich finde es immer schwieriger, wenn der Patient dann zu Hause ist und es fängt nochmal an zu bluten.

00:21:16: Alle haben meine Nummer, meine Handynummer.

00:21:20: Und ich bin so lange verantwortlich, bis das Ganze abgeschlossen ist.

00:21:27: Einfach da sein, in Kontakt bleiben, sich auch melden, anrufen, sagen, wie geht's?

00:21:34: Ich finde es wichtig, dass man die Kommunikation aufrechterhält.

00:21:38: zu reden, ist eine von den wichtigsten Sachen.

00:21:48: Um Fehler oder um Schwierigkeiten vorzubeugen, muss man die Kommunikation aufrechterhalten.

00:21:55: Das finde ich wichtig.

00:21:58: Wie würdet sie generell auf ihr Beruf oder in der Gesellschaft schietere definieren?

00:22:05: Was ist Definition für Sie?

00:22:09: Den Ansprüchen von außen nicht gerecht zu werden.

00:22:16: Und schon daran sieht man eigentlich, was das für ein komisches Konstrukt ist.

00:22:20: Denn das sollte nicht der Maßstab sein.

00:22:23: Der Maßstab sollte sein, ich mache was und ich mache es so gut wie möglich.

00:22:31: Und wenn dann trotzdem das nicht dem entspricht, dann halt, oder?

00:22:38: Aber dann immer schon zu schielen, ui, was macht das für einen Eindruck?

00:22:41: Und was denken die jetzt von mir?

00:22:46: Eigentlich fragt man sich, wo kommt das her?

00:22:47: Das wird uns angelernt und angedrillt, immer zu gucken, was sagen die anderen.

00:22:56: oder könnten die anderen denken?

00:22:58: Dabei, ich glaube, das ist komplett irrelevant.

00:23:03: Scheitern muss man mit sich selber abmachen.

00:23:05: Da muss man sagen, okay, jetzt habe ich meinen... persönlichen Ansprüchen nicht genügt, weil ich schlamppig, faul, sonst noch irgendwas.

00:23:13: Also es darf eigentlich nicht vom Blick der anderen abhängen.

00:23:19: Und dann wäre es aber auch wie ein Selbstverschuldet.

00:23:22: Also ist es nur dann, für Sie es schiedet?

00:23:24: Aber wenn Sie gesagt haben, schlamppig Sie oder dumm, dann wäre die bleibend.

00:23:29: Alles andere kann von außen, wie es euch dann ausschaut, schauen, aber Für mich zumindest ist das etwas, was innen drin ist.

00:23:41: Das habe ich jetzt einfach nicht so gemacht, wie ich es eigentlich machen wollte.

00:23:48: Oder nicht so kändelt, wie ich es eigentlich wollte.

00:23:51: Und Scheitern ist für mich, wenn ich meinen eigenen Ansprüchen nicht genügend.

00:24:00: findet sie, sehen es Patienten und um sie um.

00:24:03: Das kann ja dann eine andere Definition sein oder auch eine andere Erwartung als Sie als Arzt.

00:24:11: Ich weiß nicht, wie es bei Kollegen ist und ich glaube, das ist vielleicht bei mir ein bisschen anders.

00:24:19: Das war eigentlich eine Sache der Erfahrung.

00:24:21: Ich bin relativ offen, indem ich Fehler zugebe oder auch Schwächen zugebe.

00:24:30: da kommt schon eine andere Erwartungshaltung auf mich zu, also die erwarten jetzt nicht.

00:24:34: Ich bin wie gesagt nicht der im weißen Kittel und mit dem Stethoskop umhalten, sondern ganz normal und eben schon mit allen möglichen Schwächen ausgestattet, die ich auch offen kommuniziere.

00:24:47: Und es ist dann gut, dann ist auch nicht die Erwartung geworden, muss jetzt alles super perfekt sein.

00:24:53: Nein, muss es nicht.

00:24:56: Was würdet sie, junger Ärzte?

00:24:58: als Radmitge.

00:25:00: Viel lernen, viel wissen.

00:25:04: Und trotzdem, das ist der eine Teil, aber der andere Teil ist halt spüren, ob man das wirklich machen möchte, weil über das Wissen hinaus ist es die wirklich die menschliche Seite, die den Patienten hilft und die den Unterschied macht.

00:25:22: Und wenn ich das nicht wirklich will, jemandem anders, helfen oder weiterhelfen oder irgendwas Gutes tun, dann ist vielleicht ein anderer aufbessern.

00:25:35: Also der Mensch ist auch fast

00:25:37: wichtiger als ... Es ist wichtig, dass man es sehr viel weiss, dass man aus dem schöpfen kann.

00:25:43: Aber viel wichtiger ist, dass man auch mitfühlen kann.

00:25:49: Sie haben gesagt, Schitter oder Fehlmachen gehört ja wirklich dazu.

00:25:54: Das wären jetzt meine Abschlussfragen.

00:25:57: Wo scheitert sie als Nächstes?

00:26:00: Oder wo haben sie das Gefühl, sie zu stolpern?

00:26:06: Ui.

00:26:08: Ui, ui, ui.

00:26:09: Ja, ich habe einige Projekte.

00:26:12: Und ich habe eigentlich zu wenig Zeit für alle Projekte, die ich in meinem Kopf habe.

00:26:19: Und ich gehe davon aus.

00:26:21: dass aus dem Grund, dass eine oder andere scheitern wird.

00:26:24: Ich will noch gar nichts sagen, weil dann ist es sowieso zum Scheitern verurteilt.

00:26:30: Aber wenn ich scheitern werde, dann einfach, weil ich mir zu viel vornehme.

00:26:35: Einfach viel zu viel auch zu verteilt, viel zu viele verschiedene Gebiete.

00:26:42: Ich mache das gerne, weil ich bin jetzt im Leben und ich habe jetzt Lust, das alles zu machen.

00:26:47: und eben neugierig bin ich auch.

00:26:49: Ich akzeptiere hier auch ein mögliches Scheitern.

00:26:52: Ich glaube, das ist das, was ich am ersten gelernt habe im Laufe meinem Leben, dass ich sage, okay, kann sein, dass es total schief geht, weil es einfach zu viel war, ist okay.

00:27:04: Und dann einfach weiterlaufen.

00:27:05: Einfach

00:27:06: weiterlaufen, ja.

00:27:09: Sehr schön.

00:27:10: Wir sind am Ende.

00:27:11: Es hat mich sehr gefreut, den Eblick

00:27:13: zu bekommen.

00:27:14: Super spannend.

00:27:16: Herzlichen Dank, dass Sie da waren.

00:27:17: Gerne.

00:27:17: Hat Spaß gemacht.

00:27:18: Vielen Dank für die Einladung.

Neuer Kommentar

Dein Name oder Pseudonym (wird öffentlich angezeigt)
Mindestens 10 Zeichen
Durch das Abschicken des Formulars stimmst du zu, dass der Wert unter "Name oder Pseudonym" gespeichert wird und öffentlich angezeigt werden kann. Wir speichern keine IP-Adressen oder andere personenbezogene Daten. Die Nutzung deines echten Namens ist freiwillig.